Comparison of Stab-Resistance Ratings – NIJ 0115.00, HOSDB/CAST, and VPAM KDIW 2004
Stab-resistant vests and stab-resistant protective inserts are tested worldwide according to various testing guidelines. Among the most important standards are the American NIJ Standard 0115.00, the British HOSDB/CAST standards, and the German VPAM KDIW 2004.
Unlike ballistic protection classes, stab-resistant systems are not evaluated based on caliber, muzzle velocity, and projectile energy. Instead, the decisive factors are the test blades and test points used, the energy applied, the test setup, and the allowable penetration of the protective material.
This overview provides a direct comparison of the most important international stab-resistant standards.
Important: Protection classes from different standards cannot be considered equivalent based solely on the joule value. Test blades, tip geometry, test procedures, energy, and permissible penetration vary depending on the standard.
Real-World Scenarios vs. Certification (Worst-Case Scenarios)
To put this into context: Even stab protection that withstands, for example, an energy of 10 joules with a P1/B blade already offers remarkable stab resistance against typical everyday blades such as kitchen or outdoor knives. In reality, multiple rapid stabs with lower individual energy and a suboptimal blade profile are far more common than a single, maximum-force stab with a specially engineered test knife. Official certifications are deliberately designed for absolute worst-case scenarios to guarantee wearers maximum safety margins.
Stichschutzklassen im Vergleich: NIJ 0115, HOSDB/CAST und VPAM KDIW
Stichschutzklassen im Detail
VPAM KDIW 2004 – K1
Die Schutzklasse VPAM KDIW 2004 (Klinge, Dorn, Injektionsnadel, Würfel (Schlagprüfung) K1 beschreibt den Schutz gegen Stichangriffe mit der standardisierten P1/B-Prüfklinge.
Die Prüfung erfolgt mit einer Energie von 25 Joule. Die maximal zulässige Durchdringung beträgt 20 mm.
Prüfwerkzeug: P1/B-Prüfklinge
Bedrohung: Messer / Klinge
Prüfenergie: 25 J
Maximale Penetration: 20 mm
K1 stellt die erste Schutzstufe innerhalb der VPAM-KDIW-Klassifizierung für Messerschutz dar.
VPAM KDIW 2004 – D1
Die Schutzklasse VPAM KDIW 2004 D1 beschreibt den Schutz gegen Angriffe mit einer konzentrierten Spitze beziehungsweise einem Dorn.
Für die Prüfung wird ein definierter VPAM-Dorn beziehungsweise Nail-Prüfkörper verwendet.
Die Prüfenergie beträgt 25 Joule. Die maximal zulässige Durchdringung beträgt 20 mm.
Prüfwerkzeug: VPAM Dorn / Nail
Bedrohung: Dorn / konzentrierte Spitze
Prüfenergie: 25 J
Maximale Penetration: 20 mm
D1 ergänzt den Klingenschutz K1 um eine separate Prüfung gegen hochkonzentrierte Stichbedrohungen.
HOSDB / CAST – KR1
Die britische Schutzklasse KR1 steht für Knife Resistance Level 1.
Geprüft wird mit der standardisierten britischen HOSDB P1/B-Prüfklinge. Die E1-Prüfung erfolgt mit einer Energie von 24 Joule. Zusätzlich wird eine E2-Prüfung mit erhöhter Energie durchgeführt. Die E2-Prüfenergie beträgt 36 Joule.
Bei der E1-Prüfung darf die maximale Durchdringung 7 mm nicht überschreiten. Bei der erhöhten E2-Prüfung beträgt die maximal zulässige Durchdringung 20 mm.
Prüfwerkzeug: HOSDB P1/B
Bedrohung: Messer / Klinge
E1-Prüfenergie: 24 J
E2-Prüfenergie: 36 J
Maximale Penetration E1: 7 mm
Maximale Penetration E2: 20 mm
KR1 stellt die erste Schutzklasse für Messerschutz innerhalb der britischen HOSDB-/CAST-Systematik dar.
HOSDB / CAST – KR1 + SP1
Die kombinierte Schutzklasse KR1 + SP1 bestätigt den Schutz sowohl gegen Messer als auch gegen Spike-Bedrohungen auf der ersten Schutzstufe.
Für den Messerschutz wird die standardisierte HOSDB P1/B-Prüfklinge verwendet. Für die Spike-Prüfung kommt die HOSDB SP/B-Prüfspitze zum Einsatz.
Die E1-Prüfung erfolgt mit jeweils 24 Joule. Zusätzlich wird eine E2-Prüfung mit 36 Joule durchgeführt.
Bei der E1-Prüfung darf die maximale Durchdringung 7 mm nicht überschreiten. Bei der erhöhten E2-Prüfung beträgt die maximal zulässige Durchdringung 20 mm.
Prüfwerkzeuge: HOSDB P1/B + HOSDB SP/B
Bedrohung: Messer + Spike
E1-Prüfenergie: 24 J
E2-Prüfenergie: 36 J
Maximale Penetration E1: 7 mm
Maximale Penetration E2: 20 mm
Eine Schutzweste mit KR1 + SP1 wurde somit sowohl gegen eine standardisierte Messerklinge als auch gegen eine standardisierte Spike-Bedrohung geprüft.
NIJ Standard 0115.00 – Level 1 Knife
Die Schutzklasse NIJ Standard 0115.00 Level 1 Knife beschreibt die erste amerikanische Schutzstufe gegen Messerbedrohungen.
NIJ verwendet hierfür mehrere standardisierte Prüfklingen:
P1/A
S1/G
Die E1-Prüfung erfolgt mit einer Energie von 24 Joule. Zusätzlich wird eine E2-Prüfung mit erhöhter Energie durchgeführt.
Die E2-Prüfenergie beträgt 36 Joule.
Bei der E1-Prüfung darf die maximale Durchdringung 7 mm nicht überschreiten. Bei der erhöhten E2-Prüfung beträgt die maximal zulässige Durchdringung 20 mm.
Prüfklingen: P1/A und S1/G
Bedrohung: Messer / Klinge
E1-Prüfenergie: 24 J
E2-Prüfenergie: 36 J
Maximale Penetration E1: 7 mm
Maximale Penetration E2: 20 mm
Level 1 stellt die niedrigste Schutzstufe innerhalb des NIJ-0115.00-Standards dar.
NIJ Standard 0115.00 – Level 1 Spike
Die Schutzklasse NIJ Standard 0115.00 Level 1 Spike beschreibt die erste Schutzstufe gegen Spike- und Dornbedrohungen.
Für diese Prüfung verwendet der NIJ-Standard einen standardisierten NIJ Engineered Spike.
Die E1-Prüfung erfolgt mit 24 Joule. Die erhöhte E2-Prüfung erfolgt mit 36 Joule.
Prüfwerkzeug: NIJ Engineered Spike
Bedrohung: Spike / Dorn / konzentrierte Spitze
E1-Prüfenergie: 24 J
E2-Prüfenergie: 36 J
Maximale Penetration E1: 7 mm
Maximale Penetration E2: 20 mm
Ein geprüfter Spike-Schutz ist nicht automatisch durch eine Messerprüfung abgedeckt, da die konzentrierte Spitze andere Anforderungen an das Schutzmaterial stellt.
HOSDB / CAST – KR2
Die Schutzklasse KR2 steht für Knife Resistance Level 2 und stellt die zweite britische Schutzstufe gegen Messerbedrohungen dar.
Geprüft wird mit der standardisierten HOSDB P1/B-Prüfklinge.
Die reguläre E1-Prüfung erfolgt mit 33 Joule. Zusätzlich wird eine E2-Prüfung mit erhöhter Energie von 50 Joule durchgeführt.
Bei E1 beträgt die maximal zulässige Durchdringung 7 mm. Bei E2 beträgt sie 20 mm.
Prüfwerkzeug: HOSDB P1/B
Bedrohung: Messer / Klinge
E1-Prüfenergie: 33 J
E2-Prüfenergie: 50 J
Maximale Penetration E1: 7 mm
Maximale Penetration E2: 20 mm
KR2 bietet gegenüber KR1 eine höhere geprüfte Stichenergie.
HOSDB / CAST – KR2 + SP2
Die kombinierte Schutzklasse KR2 + SP2 bestätigt den Schutz gegen Messer- und Spike-Bedrohungen auf der zweiten britischen Schutzstufe.
Die Messerprüfung erfolgt mit der HOSDB P1/B-Prüfklinge. Zusätzlich wird mit der standardisierten HOSDB SP/B-Prüfspitze geprüft.
Die E1-Prüfung erfolgt mit jeweils 33 Joule. Zusätzlich wird eine E2-Prüfung mit 50 Joule durchgeführt.
Bei E1 beträgt die maximal zulässige Durchdringung 7 mm. Bei E2 beträgt sie 20 mm.
Prüfwerkzeuge: HOSDB P1/B + HOSDB SP/B
Bedrohung: Messer + Spike
E1-Prüfenergie: 33 J
E2-Prüfenergie: 50 J
Maximale Penetration E1: 7 mm
Maximale Penetration E2: 20 mm
VPAM KDIW 2004 – K2
Die Schutzklasse VPAM KDIW 2004 K2 beschreibt die zweite Schutzstufe gegen Messerangriffe.
Die Prüfung erfolgt mit der standardisierten P1/B-Prüfklinge bei einer Energie von 40 Joule.
Die maximal zulässige Durchdringung beträgt 20 mm.
Prüfwerkzeug: P1/B-Prüfklinge
Bedrohung: Messer / Klinge
Prüfenergie: 40 J
Maximale Penetration: 20 mm
K2 liegt hinsichtlich der Prüfenergie über HOSDB KR2 mit 33 Joule. Eine direkte Gleichsetzung der Schutzklassen ist jedoch aufgrund unterschiedlicher Prüfverfahren und Bewertungskriterien nicht möglich.
VPAM KDIW 2004 – D2
Die Schutzklasse VPAM KDIW 2004 D2 beschreibt den Schutz gegen Dorn- und konzentrierte Spitzenbedrohungen auf der zweiten Schutzstufe.
Die Prüfung erfolgt mit dem VPAM-Dorn beziehungsweise Nail-Prüfkörper bei einer Energie von 40 Joule.
Die maximal zulässige Durchdringung beträgt 20 mm.
Prüfwerkzeug: VPAM Dorn / Nail
Bedrohung: Dorn / konzentrierte Spitze
Prüfenergie: 40 J
Maximale Penetration: 20 mm
NIJ Standard 0115.00 – Level 2 Knife
Die Schutzklasse NIJ Standard 0115.00 Level 2 Knife beschreibt die zweite amerikanische Schutzstufe gegen Messerbedrohungen.
Die Prüfung erfolgt mit den standardisierten Prüfklingen:
P1/A
S1/G
Die reguläre E1-Prüfung erfolgt mit 33 Joule.
Zusätzlich wird eine E2-Prüfung mit erhöhter Energie von 50 Joule durchgeführt.
Bei E1 beträgt die maximal zulässige Durchdringung 7 mm. Bei E2 beträgt sie 20 mm.
Prüfklingen: P1/A und S1/G
Bedrohung: Messer / Klinge
E1-Prüfenergie: 33 J
E2-Prüfenergie: 50 J
Maximale Penetration E1: 7 mm
Maximale Penetration E2: 20 mm
NIJ Standard 0115.00 – Level 2 Spike
Die Schutzklasse NIJ Standard 0115.00 Level 2 Spike beschreibt die zweite Schutzstufe gegen Spike-Bedrohungen.
Geprüft wird mit dem standardisierten NIJ Engineered Spike.
Die E1-Prüfung erfolgt mit 33 Joule. Die E2-Prüfung erfolgt mit 50 Joule.
Prüfwerkzeug: NIJ Engineered Spike
Bedrohung: Spike / Dorn / konzentrierte Spitze
E1-Prüfenergie: 33 J
E2-Prüfenergie: 50 J
Maximale Penetration E1: 7 mm
Maximale Penetration E2: 20 mm
HOSDB / CAST – KR3
Die Schutzklasse KR3 ist die höchste der drei klassischen britischen Schutzstufen für Messerschutz.
Die Prüfung erfolgt mit der standardisierten HOSDB P1/B-Prüfklinge.
Die reguläre E1-Prüfung erfolgt mit 43 Joule. Zusätzlich erfolgt die E2-Prüfung mit 65 Joule.
Bei E1 darf die Durchdringung maximal 7 mm betragen. Bei E2 sind maximal 20 mm zulässig.
Prüfwerkzeug: HOSDB P1/B
Bedrohung: Messer / Klinge
E1-Prüfenergie: 43 J
E2-Prüfenergie: 65 J
Maximale Penetration E1: 7 mm
Maximale Penetration E2: 20 mm
HOSDB / CAST – KR3 + SP3
Die kombinierte Schutzklasse KR3 + SP3 beschreibt die höchste kombinierte Schutzstufe gegen Messer- und Spike-Bedrohungen innerhalb der klassischen HOSDB-/CAST-Einteilung.
Geprüft wird sowohl mit der:
HOSDB P1/B-Prüfklinge
HOSDB SP/B-Prüfspitze
Die reguläre E1-Prüfung erfolgt mit jeweils 43 Joule. Zusätzlich erfolgt die E2-Prüfung mit 65 Joule.
Bei E1 darf die Durchdringung maximal 7 mm betragen. Bei E2 sind maximal 20 mm zulässig.
Prüfwerkzeuge: HOSDB P1/B + HOSDB SP/B
Bedrohung: Messer + Spike
E1-Prüfenergie: 43 J
E2-Prüfenergie: 65 J
Maximale Penetration E1: 7 mm
Maximale Penetration E2: 20 mm
NIJ Standard 0115.00 – Level 3 Knife
Die Schutzklasse NIJ Standard 0115.00 Level 3 Knife ist die höchste Schutzstufe des NIJ-0115.00-Standards für Messerbedrohungen.
Die Prüfung erfolgt mit den standardisierten:
P1/A-Prüfklingen
S1/G-Prüfklingen
Die E1-Prüfung erfolgt mit 43 Joule.
Zusätzlich erfolgt die E2-Prüfung mit 65 Joule.
Bei E1 darf die Durchdringung maximal 7 mm betragen. Bei E2 sind maximal 20 mm zulässig.
Prüfklingen: P1/A und S1/G
Bedrohung: Messer / Klinge
E1-Prüfenergie: 43 J
E2-Prüfenergie: 65 J
Maximale Penetration E1: 7 mm
Maximale Penetration E2: 20 mm
Die E2-Prüfung von NIJ Level 3 erfolgt damit mit einer Energie von 65 Joule. Dies entspricht energetisch der Prüfenergie von VPAM K3, stellt jedoch aufgrund der unterschiedlichen Prüfklingen und Prüfverfahren keine direkte Gleichwertigkeit der Schutzklassen dar.
NIJ Standard 0115.00 – Level 3 Spike
Die Schutzklasse NIJ Standard 0115.00 Level 3 Spike ist die höchste NIJ-Schutzstufe gegen Spike-Bedrohungen.
Die Prüfung erfolgt mit einem standardisierten NIJ Engineered Spike.
Die reguläre E1-Prüfung erfolgt mit 43 Joule.
Die erhöhte E2-Prüfung erfolgt mit 65 Joule.
Prüfwerkzeug: NIJ Engineered Spike
Bedrohung: Spike / Dorn / konzentrierte Spitze
E1-Prüfenergie: 43 J
E2-Prüfenergie: 65 J
Maximale Penetration E1: 7 mm
Maximale Penetration E2: 20 mm
Auch hier liegt die E2-Prüfenergie mit 65 Joule energetisch auf dem Niveau von VPAM D3. Aufgrund der unterschiedlichen Prüfspitzen und Prüfverfahren besteht jedoch keine automatische Vergleichbarkeit oder Gleichwertigkeit.
VPAM KDIW 2004 – K3
Die Schutzklasse VPAM KDIW 2004 K3 beschreibt eine hohe Schutzstufe gegen Messerangriffe.
Die Prüfung erfolgt mit der standardisierten P1/B-Prüfklinge bei einer Energie von 65 Joule.
Die maximal zulässige Durchdringung beträgt 20 mm.
Prüfwerkzeug: P1/B-Prüfklinge
Bedrohung: Messer / Klinge
Prüfenergie: 65 J
Maximale Penetration: 20 mm
VPAM KDIW 2004 – D3
Die Schutzklasse VPAM KDIW 2004 D3 beschreibt eine hohe Schutzstufe gegen Dorn- und konzentrierte Spitzenbedrohungen.
Die Prüfung erfolgt mit dem definierten VPAM-Dorn beziehungsweise Nail-Prüfkörper.
Die Prüfenergie beträgt 65 Joule.
Die maximal zulässige Durchdringung beträgt 20 mm.
Prüfwerkzeug: VPAM Dorn / Nail
Bedrohung: Dorn / konzentrierte Spitze
Prüfenergie: 65 J
Maximale Penetration: 20 mm
VPAM KDIW 2004 – K4
Die Schutzklasse VPAM KDIW 2004 K4 ist die höchste Schutzstufe gegen Messerklingen innerhalb der VPAM-KDIW-2004-Klassifizierung.
Die Prüfung erfolgt mit der standardisierten P1/B-Prüfklinge bei einer Energie von 80 Joule.
Die maximal zulässige Durchdringung beträgt 20 mm.
Prüfwerkzeug: P1/B-Prüfklinge
Bedrohung: Messer / Klinge
Prüfenergie: 80 J
Maximale Penetration: 20 mm
K4 stellt innerhalb der VPAM-KDIW-Klassifizierung die höchste hier aufgeführte Energieklasse für den Schutz gegen die standardisierte P1/B-Prüfklinge dar.
VPAM KDIW 2004 - D4
Die Schutzklasse VPAM KDIW 2004 D4 ist die höchste Schutzstufe gegen Dorn- und konzentrierte Spitzenbedrohungen innerhalb der VPAM-KDIW-2004-Klassifizierung.
Die Prüfung erfolgt mit dem definierten VPAM-Dorn beziehungsweise Nail-Prüfkörper bei einer Energie von 80 Joule.
Die maximal zulässige Durchdringung beträgt 20 mm.
Prüfwerkzeug: VPAM Dorn / Nail
Bedrohung: Dorn / konzentrierte Spitze
Prüfenergie: 80 J
Maximale Penetration: 20 mm
Nadelstichschutz: Schutz gegen Injektionskanülen
Neben Messern, Dorne und anderen Spitzen können Schutzmaterialien auch gegen Injektionskanülen und Nadelstiche geprüft werden.
Diese Bedrohung unterscheidet sich deutlich von einer Messerklinge oder einem Dorn. Eine medizinische Kanüle besitzt einen sehr kleinen Durchmesser und eine scharf angeschliffene Spitze. Dadurch wird die aufgebrachte Kraft auf eine extrem kleine Fläche konzentriert.
Für den Vergleich ist besonders wichtig, wie die Prüfung durchgeführt wird.
Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Prüfprinzipien:
Dynamischer Nadelstich – die Nadel trifft mit einer definierten Energie auf das Material.
Statisches Durchdrücken – die Nadel wird mit kontinuierlich steigender Kraft durch das Material gedrückt.
Diese beiden Prüfverfahren messen unterschiedliche Belastungsszenarien und sind daher nicht direkt miteinander gleichzusetzen.
VPAM KDIW 2004 Nadelstichschutz mit Injektionskanüle
Die VPAM KDIW 2004 enthält neben dem Schutz gegen Klingen und Dorne auch eine eigene Prüfung gegen Injektionskanülen.
Die entsprechende Schutzklasse wird mit:
I – Injektionskanüle
bezeichnet.
Die Prüfung erfolgt mit einer medizinischen Injektionskanüle gemäß DIN EN ISO 7864.
Verwendet wird:
Nadelgröße: 21G × 1 1/2"
Außendurchmesser: 0,8 ± 0,01 mm
Länge: 40 ± 2 mm
Prüfwerkzeug: Injektionskanüle Nr. 2
Die VPAM-Prüfung besteht aus zwei unterschiedlichen Belastungen.
VPAM KDIW 2004 I1
Die Schutzklasse VPAM KDIW 2004 I1 beschreibt den Schutz gegen eine standardisierte Injektionskanüle.
Die dynamische Prüfung erfolgt mit einer Auftreffenergie von:
2,5 Joule
Die Kanüle trifft dabei mit einem definierten Auftreffwinkel auf das Prüfmuster.
Prüfwerkzeug: Injektionskanüle gemäß DIN EN ISO 7864
Nadelgröße: 21G × 1 1/2"
Durchmesser: 0,8 ± 0,01 mm
Länge: 40 ± 2 mm
Prüfenergie: 2,5 J
Maximale Penetration: 0 mm
Die Prüfung wird an unterschiedlichen Bereichen des Schutzsystems durchgeführt:
Fläche
Naht
Überlappung
Je nach Prüfstelle gelten unterschiedliche Auftreffwinkel.
Bei der dynamischen Prüfung darf die Injektionskanüle das Prüfmuster nicht durchdringen.
Zusätzliche VPAM-Durchdrückprüfung
Neben dem dynamischen Nadelstich enthält VPAM KDIW eine zusätzliche statische Durchdrückprüfung.
Hier wird die Injektionskanüle nicht mit einer definierten Auftreffenergie auf das Material geschossen oder fallengelassen.
Stattdessen wird die Kraft kontinuierlich erhöht.
Die Prüfung erfolgt unter folgenden Bedingungen:
Auftreffwinkel: 90°
Kraft: 0 bis 20 Newton
Vorschubgeschwindigkeit: 10 mm/min
Dabei wird die Injektionskanüle mit kontinuierlich steigender Kraft senkrecht auf das Prüfmuster gedrückt.
Auch bei dieser Prüfung darf das Schutzmaterial nicht durchstochen werden.
Falls die Nadel vor dem Durchdringen des Prüfmusters zerstört wird, ist die Kraft zu dokumentieren.
Dynamischer Stich und statischer Druck der Unterschied
Der Unterschied zwischen beiden Prüfverfahren ist für die Bewertung eines Nadelstichschutzes entscheidend.
Dynamischer Nadelstich
Bei einem dynamischen Test trifft die Nadel mit einer definierten Energie auf das Schutzmaterial.
Die Belastung erfolgt schnell und impulsartig.
Das Prüfverfahren beschreibt damit ein Szenario, bei dem eine Nadel aktiv mit einer bestimmten Energie in Richtung des Schutzmaterials bewegt wird.
Bei VPAM KDIW I1 beträgt diese Prüfenergie:
2,5 Joule
Statischer Durchdrücktest
Beim statischen Durchdrücktest wird keine Auftreffenergie in Joule definiert.
Stattdessen wird die Kraft kontinuierlich erhöht.
Die Nadel wird dabei kontrolliert und mit einer definierten Vorschubgeschwindigkeit durch das Material gedrückt.
Bei der VPAM-Durchdrückprüfung steigt die Kraft von:
0 bis 20 Newton
bei einer Vorschubgeschwindigkeit von:
10 mm pro Minute
Der Unterschied ist daher:
Joule beschreiben die Energie eines dynamischen Stichs. Newton beschreiben die aufgebrachte Kraft beim kontrollierten Durchdrücken.
Eine Prüfung mit 2,5 Joule und eine Prüfung mit 20 Newton sind deshalb nicht direkt ineinander umrechenbar oder gleichzusetzen.
ASTM F2878 Nadelstichschutz durch Durchdrückprüfung
Neben VPAM existiert mit ASTM F2878 ein amerikanisches Prüfverfahren für den Widerstand von Schutzmaterialien gegen das Durchdringen durch medizinische Injektionsnadeln.
ASTM F2878 misst die Kraft, die erforderlich ist, um eine scharfkantige medizinische Nadel durch ein Schutzmaterial zu drücken.
Die Prüfung erfolgt senkrecht zur Materialoberfläche und ohne unterstützende Struktur hinter dem Prüfmuster.
Im Gegensatz zur VPAM-Einstufung handelt es sich dabei nicht um eine klassische Schutzklasse wie K1, KR2 oder NIJ Level 3.
Das Ergebnis wird als erforderliche Durchdrückkraft angegeben.
ASTM F2878 verwendete Nadelgrößen
Der ASTM-F2878-Standard definiert drei mögliche medizinische Nadelgrößen:
21 Gauge
25 Gauge
28 Gauge
Je kleiner die Gauge-Zahl, desto größer ist grundsätzlich der Außendurchmesser der Nadel.
ASTM F2878 bestimmt, welche maximale Kraft erforderlich ist, um die jeweilige Nadel durch das Schutzmaterial zu drücken.
ASTM F2878 hauptsächlich bei Handschutz relevant
ASTM F2878 wird besonders häufig im Bereich von Schutzhandschuhen und Handschutzmaterialien eingesetzt.
Der Standard ist insbesondere für Anwendungsbereiche relevant, in denen ein Risiko durch:
medizinische Kanülen
kontaminierte Nadeln
Injektionsnadeln
Needle-Stick-Verletzungen
besteht.
Typische Einsatzbereiche sind unter anderem:
medizinisches Personal
Rettungsdienste
Polizei
Justizvollzug
Abfallentsorgung
Such- und Kontrolltätigkeiten
ASTM selbst beschreibt F2878 als Testverfahren zur vergleichenden Bewertung der Widerstandsfähigkeit von Schutzmaterialien gegen hypodermische Nadelstiche.
Für Schutzwesten und größere Körperflächen ist im europäischen Umfeld eine Prüfung nach VPAM KDIW häufig besser direkt in eine umfassende Stichschutzklassifizierung integrierbar, da VPAM KDIW neben Klingen und Dorne auch die Injektionskanüle als eigene Bedrohungsart berücksichtigt.
Unterschiedliche Normen = unterschiedliche Prüfmethoden
Stichschutz Schutzklassen sind nicht 1:1 miteinander vergleichbar. VPAM, NIJ und HOSDB/CAST arbeiten mit unterschiedlichen Prüfprotokollen, Klingen, Penetrationstiefen und Energien. Auch Konditionierung, Klimavorbehandlung, Winkel und Stichabstände variieren je nach Norm. Eine reine Gegenüberstellung der Joule-Werte reicht daher für eine fachlich korrekte Bewertung nicht aus.
Wichtige Hinweise
Messer- und Dornschutz sind unterschiedliche Bedrohungen
Ein Messer verteilt einen Teil der Belastung über seine Klingengeometrie und schneidet sich durch das Material. Ein Spike oder Dorn konzentriert die Energie dagegen auf eine wesentlich kleinere Fläche und drückt sich durch das Material. Deshalb kann eine Schutzweste einen hohen Messerschutz besitzen, aber einen deutlich geringeren Dorn- / Spikeschutz aufweisen.
Bei professionellen Schutzsystemen sollte daher klar unterschieden werden:
• Knife Resistance: Schutz gegen standardisierte Messerklingen.
• Spike Resistance: Schutz gegen Dorne und stark konzentrierte Spitzen.
• Ballistischer Schutz: Schutz gegen Geschosse. Ein ballistisch geschütztes Material ist nicht automatisch stichsicher und umgekehrt.
Moderne Schutzwesten können oft unterschiedliche Bedrohungen gleichzeitig abdecken. Die optimale Schutzlösung ist dabei nicht zwangsläufig die höchste verfügbare Schutzklasse, sondern diejenige, die zum tatsächlichen Bedrohungsszenario passt.
Mischzertifizierungen und asymmetrische Prüfungen in der Praxis: In den offiziellen Norm-Dokumenten sind die Energiewerte starr an die jeweilige Schutzklasse (z. B. 24 J für NIJ Level 1 oder 33 J für NIJ Level 2) gebunden. In der Praxis auf dem Markt finden sich jedoch häufig sogenannte Mischzertifizierungen oder asymmetrische Schutzprofile.
Viele Hersteller lassen ihre Westen über die Mindestanforderung einer Basis-Klasse hinaus prüfen, um spezifische Kundenwünsche oder behördliche Ausschreibungen zu erfüllen.
Ein typisches Beispiel: Eine Weste wird offiziell als NIJ 0115.00 Level 1 klassifiziert. Ein Blick in den spezifischen Prüfbericht zeigt jedoch, dass sie die standardmäßige P1-Klinge sicher bei 24 Joule (Level 1) stoppt, bei der S1-Klinge oder einem Dorn (Spike) aber sogar 33 Joule (Level 2) oder mehr aushält.
Solche asymmetrischen Leistungsprofile entstehen durch die spezifische Lagenstruktur moderner UHMWPE, Aramid- oder Ringgeflechte, die auf manche Werkzeuge besser reagieren als auf andere.
Für den Anwender bedeutet das: Die pauschale Angabe einer Schutzklasse (z. B. "Level 1" oder "K1") definiert immer nur den garantierten Mindestschutz über alle getesteten Werkzeuge hinweg. Ein genauer Blick in das Datenblatt oder auf das Label des Herstellers lohnt sich fast immer. Oft bieten die Westen bei bestimmten Bedrohungsarten (wie reinen Stich- oder reinen Nadelangriffen) wesentlich höhere Leistungsreserven, als die reine Basis-Klasse vermuten lässt.
Lorica Invicta VPAM BSW 4 Weichballistik
Orientierungshilfe für den Schnellvergleich
Die dargestellte Tabelle und die textliche Einordnung dienen daher als strukturierte Vergleichs- und Orientierungshilfe. Sie ermöglichen Endverbrauchern, Behörden und professionellen Anwendern einen schnellen Abgleich der Leistungsstufen und unterstützen bei der Einschätzung, welche ballistische Schutzlösung für das jeweilige Einsatzszenario sinnvoll und angemessen ist. Eine individuelle Bedrohungsanalyse bleibt dennoch entscheidend.
VPAM KDIW 2004: Deutscher Standard für Stich- und Schlagschutz K1 - K4 und D1 - D4
Die VPAM KDIW 2004 ist eine deutsche Prüfrichtlinie. Sie beschreibt die Durchstichtiefe als das Eindringen der Spitze eines Prüfwerkzeugs durch die Rückseite des Prüfmusters in das Hintergrundmaterial. Die Klinge bzw. der Dorn dürfen dabei maximal 20 mm tief in das Prüfmedium eindringen. Dabei verwendet werden die P1/B Klinge, die einseitig geschliffen und 52–55 HRC Hart ist und der von
Jugard+Künstner GmbH gefertigte 445-510 HV10 harte Dorn.
Schutz gegen Messerklingen (P1/B Prüfklinge einseitig geschliffen):
• K1:25 J (Grundschutz)
• K2:40 J (Erhöhte Schutzklasse)
• K3:65 J (Hohe Schutzklasse)
• K4:80 J (Höchste Klingenschutzklasse)
Schutz gegen Dorne und Spitzen:
Zusätzlich bewertet VPAM KDIW den Schutz gegen konzentrierte Dornbedrohungen separat mit einem definierten Dorn (Nail). Die Abstufungen erfolgen analog zum Klingenschutz in den Stufen:
• D1:25 J
• D2:40 J
• D3:65 J
• D4:80 J
NIJ Standard 0115.00: Amerikanischer Stichschutzstandard
Die NIJ Standard 0115.00 ist der amerikanische Standard für stich- und spitzenhemmende persönliche Schutzausrüstung. Der Standard unterscheidet drei Schutzstufen. Je höher die Schutzklasse, desto höher ist die geprüfte Stichenergie. Die Stufen basieren auf Untersuchungen zur Energie, die Menschen bei unterschiedlichen Stichbewegungen aufbringen können.
NIJ Schutzklassen:
Level 1: 24 J (Mittlere Bedrohung)
Level 2: 33 J (Erhöhte Bedrohung)
Level 3: 43 J (Hohe Bedrohung)
Zusätzlich wird jede NIJ-Schutzklasse mit einer erhöhten E2-Prüfenergie getestet. Die E2-Prüfung liegt 50 % über der jeweiligen E1-Energie (Level 1: 36 J, Level 2: 50 J, Level 3: 65 J). Bei E1 darf die maximale Durchdringung 7 mm nicht überschreiten. Bei der erhöhten E2-Prüfung darf die maximale Durchdringung 20 mm betragen.
Zusätzlich bewertet der NIJ Standard 0115.00 den Schutz gegen konzentrierte Dornbedrohungen separat mit einem definierten Dorn (Nail). Die Abstufungen erfolgen analog zum Klingenschutz in den Stufen Level 1 bis Level 3.
NIJ Prüfklingen und Prüfspitzen:
• P1: Repräsentiert eine typische einseitig geschliffene Messerklinge.
• S1:Besitzt eine andere Spitzen- und Schneidengeometrie als die P1-Klinge zur Abdeckung eines breiteren Spektrums.
• NIJ Engineered Spike: Eine standardisierte Prüfspitze für Bedrohungen durch spitze Gegenstände.
HOSDB / CAST: Britischer Standard für Messer- und Spike-Schutz
Der britische Stichschutzstandard wurde ursprünglich durch die HOSDB (Home Office Scientific Development Branch) entwickelt und wird heute durch CAST (Centre for Applied Science and Technology) betreut.
Der Standard unterscheidet strikt zwischen KR (Knife Resistance) und SP (Spike Resistance).
• KR1 (E1: 24 J / E2: 36 J): Die niedrigste Schutzklasse. Für längere Tragezeiten in Bereichen mit geringerem Risiko ausgelegt (verdeckt oder offen). Die reguläre E1-Prüfung erfolgt mit 24 Joule (max. 7 mm Eindringtiefe), der E2-Overtest mit 36 Joule (max. 20 mm Eindringtiefe).
• KR2 (E1: 33 J / E2: 50 J): Mittlere Schutzklasse für allgemeine dienstliche Einsätze. Die reguläre E1-Prüfung erfolgt mit 33 Joule (max. 7 mm Eindringtiefe), der E2-Overtest mit 50 Joule (max. 20 mm Eindringtiefe).
• KR3 (E1: 43 J / E2: 65 J): Die höchste der drei klassischen HOSDB-KR-Schutzklassen, primär für offen getragene Systeme in Hochrisikosituationen. Die reguläre E1-Prüfung erfolgt mit 43 Joule (max. 7 mm Eindringtiefe), der E2-Overtest mit 65 Joule (max. 20 mm Eindringtiefe).
Ein Spike besitzt eine wesentlich kleinere Kontaktfläche als eine Messerklinge. Deshalb wird für kombinierten Schutz (z. B. KR1+SP1) sowohl mit der HOSDB P1/B-Klinge als auch mit der SP/B-Prüfspitze getestet.
Welche ballistische Schutzklasse ist die richtige?
Nadelstichschutz: Schutz gegen Injektionskanülen
Neben Messern, Dorne und anderen Spitzen können Schutzmaterialien auch gegen Injektionskanülen und Nadelstiche geprüft werden.
Diese Bedrohung unterscheidet sich deutlich von einer Messerklinge oder einem Dorn. Eine medizinische Kanüle besitzt einen sehr kleinen Durchmesser und eine scharf angeschliffene Spitze. Dadurch wird die aufgebrachte Kraft auf eine extrem kleine Fläche konzentriert.
Für den Vergleich ist besonders wichtig, wie die Prüfung durchgeführt wird.
Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Prüfprinzipien:
Dynamischer Nadelstich – die Nadel trifft mit einer definierten Energie auf das Material.
Statisches Durchdrücken – die Nadel wird mit kontinuierlich steigender Kraft durch das Material gedrückt.
Diese beiden Prüfverfahren messen unterschiedliche Belastungsszenarien und sind daher nicht direkt miteinander gleichzusetzen.
VPAM KDIW 2004 Nadelstichschutz mit Injektionskanüle
Die VPAM KDIW 2004 enthält neben dem Schutz gegen Klingen und Dorne auch eine eigene Prüfung gegen Injektionskanülen.
Die entsprechende Schutzklasse wird mit:
I – Injektionskanüle
bezeichnet.
Die Prüfung erfolgt mit einer medizinischen Injektionskanüle gemäß DIN EN ISO 7864.
Verwendet wird:
Nadelgröße: 21G × 1 1/2"
Außendurchmesser: 0,8 ± 0,01 mm
Länge: 40 ± 2 mm
Prüfwerkzeug: Injektionskanüle Nr. 2
Die VPAM-Prüfung besteht aus zwei unterschiedlichen Belastungen.
VPAM KDIW 2004 – I1
Die Schutzklasse VPAM KDIW 2004 I1 beschreibt den Schutz gegen eine standardisierte Injektionskanüle.
Die dynamische Prüfung erfolgt mit einer Auftreffenergie von:
2,5 Joule
Die Kanüle trifft dabei mit einem definierten Auftreffwinkel auf das Prüfmuster.
Prüfwerkzeug: Injektionskanüle gemäß DIN EN ISO 7864
Nadelgröße: 21G × 1 1/2"
Durchmesser: 0,8 ± 0,01 mm
Länge: 40 ± 2 mm
Prüfenergie: 2,5 J
Maximale Penetration: 0 mm
Die Prüfung wird an unterschiedlichen Bereichen des Schutzsystems durchgeführt:
Fläche
Naht
Überlappung
Je nach Prüfstelle gelten unterschiedliche Auftreffwinkel.
Bei der dynamischen Prüfung darf die Injektionskanüle das Prüfmuster nicht durchdringen.
Zusätzliche VPAM-Durchdrückprüfung
Neben dem dynamischen Nadelstich enthält VPAM KDIW eine zusätzliche statische Durchdrückprüfung.
Hier wird die Injektionskanüle nicht mit einer definierten Auftreffenergie auf das Material geschossen oder fallengelassen.
Stattdessen wird die Kraft kontinuierlich erhöht.
Die Prüfung erfolgt unter folgenden Bedingungen:
Auftreffwinkel: 90°
Kraft: 0 bis 20 Newton
Vorschubgeschwindigkeit: 10 mm/min
Dabei wird die Injektionskanüle mit kontinuierlich steigender Kraft senkrecht auf das Prüfmuster gedrückt.
Auch bei dieser Prüfung darf das Schutzmaterial nicht durchstochen werden.
Falls die Nadel vor dem Durchdringen des Prüfmusters zerstört wird, ist die Kraft zu dokumentieren.
Dynamischer Stich und statischer Druck der Unterschied
Der Unterschied zwischen beiden Prüfverfahren ist für die Bewertung eines Nadelstichschutzes entscheidend.
Dynamischer Nadelstich
Bei einem dynamischen Test trifft die Nadel mit einer definierten Energie auf das Schutzmaterial.
Die Belastung erfolgt schnell und impulsartig.
Das Prüfverfahren beschreibt damit ein Szenario, bei dem eine Nadel aktiv mit einer bestimmten Energie in Richtung des Schutzmaterials bewegt wird.
Bei VPAM KDIW I1 beträgt diese Prüfenergie:
2,5 Joule
Statischer Durchdrücktest
Beim statischen Durchdrücktest wird keine Auftreffenergie in Joule definiert.
Stattdessen wird die Kraft kontinuierlich erhöht.
Die Nadel wird dabei kontrolliert und mit einer definierten Vorschubgeschwindigkeit durch das Material gedrückt.
Bei der VPAM-Durchdrückprüfung steigt die Kraft von:
0 bis 20 Newton
bei einer Vorschubgeschwindigkeit von:
10 mm pro Minute
Der Unterschied ist daher:
Joule beschreiben die Energie eines dynamischen Stichs. Newton beschreiben die aufgebrachte Kraft beim kontrollierten Durchdrücken.
Eine Prüfung mit 2,5 Joule und eine Prüfung mit 20 Newton sind deshalb nicht direkt ineinander umrechenbar oder gleichzusetzen.
ASTM F2878 Nadelstichschutz durch Durchdrückprüfung
Neben VPAM existiert mit ASTM F2878 ein amerikanisches Prüfverfahren für den Widerstand von Schutzmaterialien gegen das Durchdringen durch medizinische Injektionsnadeln.
ASTM F2878 misst die Kraft, die erforderlich ist, um eine scharfkantige medizinische Nadel durch ein Schutzmaterial zu drücken.
Die Prüfung erfolgt senkrecht zur Materialoberfläche und ohne unterstützende Struktur hinter dem Prüfmuster.
Im Gegensatz zur VPAM-Einstufung handelt es sich dabei nicht um eine klassische Schutzklasse wie K1, KR2 oder NIJ Level 3.
Das Ergebnis wird als erforderliche Durchdrückkraft angegeben.
ASTM F2878 verwendete Nadelgrößen
Der ASTM-F2878-Standard definiert drei mögliche medizinische Nadelgrößen:
21 Gauge
25 Gauge
28 Gauge
Je kleiner die Gauge-Zahl, desto größer ist grundsätzlich der Außendurchmesser der Nadel.
ASTM F2878 bestimmt, welche maximale Kraft erforderlich ist, um die jeweilige Nadel durch das Schutzmaterial zu drücken.
ASTM F2878 hauptsächlich bei Handschutz relevant
ASTM F2878 wird besonders häufig im Bereich von Schutzhandschuhen und Handschutzmaterialien eingesetzt.
Der Standard ist insbesondere für Anwendungsbereiche relevant, in denen ein Risiko durch:
medizinische Kanülen
kontaminierte Nadeln
Injektionsnadeln
Needle-Stick-Verletzungen
besteht.
Typische Einsatzbereiche sind unter anderem:
medizinisches Personal
Rettungsdienste
Polizei
Justizvollzug
Abfallentsorgung
Such- und Kontrolltätigkeiten
ASTM selbst beschreibt F2878 als Testverfahren zur vergleichenden Bewertung der Widerstandsfähigkeit von Schutzmaterialien gegen hypodermische Nadelstiche.
Für Schutzwesten und größere Körperflächen ist im europäischen Umfeld eine Prüfung nach VPAM KDIW häufig besser direkt in eine umfassende Stichschutzklassifizierung integrierbar, da VPAM KDIW neben Klingen und Dorne auch die Injektionskanüle als eigene Bedrohungsart berücksichtigt.
Warum ein reiner Joule-Vergleich irreführend ist
Viele vergleichen Schutzklassen ausschließlich über Joule. Das ist physikalisch unvollständig.
Entscheidend sind:
Klingengeometrie
Klingenhärte
Wirkung auf dem Material: Schneiden oder drücken
Energie pro mm²
Geschossform (Spitzkopf vs Flachkopf)
Materialinteraktion
kleinere Stirnfläche
höhere Flächenbelastung
Energie allein beschreibt nicht die reale Durchdringungsfähigkeit.
Disclaimer
1. Haftungsausschluss & Restrisiko: Wichtiger Hinweis zum Schutz von Leib und Leben: Trotz der Zertifizierung nach den genannten Normen (NIJ, VPAM, TR, HOSDB) kann niemals ein 100-prozentiger Schutz vor Verletzungen garantiert werden. Auch bei vollständigem Schutz vor dem Durchdringen eines Geschosses oder einer Klinge wirkt Restenergie auf den Körper ein (sog. stumpfes Trauma). Dies kann zu inneren Verletzungen, Knochenbrüchen oder lebensgefährlichen gesundheitlichen Schäden führen. Bock Industries übernimmt keine Haftung für Verletzungen, die trotz getragener und normgerechter Schutzausrüstung entstehen. 2. Rechtlicher Hinweis zu Gewährleistung & Norm-AbweichungenHaftungsausschluss für Richtwerte:Die dargestellten Vergleiche, Joule-Werte und Klassifizierungen dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine offizielle Zertifizierungsurkunde. Die Prüfprotokolle der einzelnen Normen (z. B. Beschusswinkel, verwendete Munitionssorten, Umweltbedingungen wie Temperatur und Feuchtigkeit) weichen zum Teil voneinander ab. Technische Änderungen, Irrtümer und Aktualisierungen der Normen durch die Prüfinstitute (z. B. VPAM oder NIJ) bleiben vorbehalten. 3. Zweckbestimmung & Zielgruppe (Behörden vs. Zivil)Bestimmungsgemäße Verwendung:Schutzausrüstungen der höheren Schutzklassen (z. B. Hartballistik ab VPAM 6 / NIJ Level III/IV oder fortgeschrittene Stichschutzklassen) sind primär für den Einsatz durch Behörden, Militär, Polizei und professionelle Sicherheitskräfte konzipiert. Der Erwerb und Besitz ist in Deutschland und anderen Ländern grundsätzlich legal, unterliegt jedoch teilweise strengen gesetzlichen Bestimmungen (z. B. Waffengesetz, Ausfuhrbestimmungen). Der Käufer ist selbst für die Einhaltung der geltenden nationalen Gesetze verantwortlich. 4. Verantwortung für die Bedrohungsanalyse: Individuelle Gefährdungsbeurteilung:Keine Schutzklasse bietet universellen Schutz gegen jede denkbare Bedrohung. Die Auswahl der passenden Schutzklasse (Weich- oder Hartballistik, Stich- und Schockschutz) setzt eine professionelle und individuelle Bedrohungsanalyse voraus. Bock Industries berät Sie hierzu gerne, übernimmt jedoch keine Garantie dafür, dass eine gewählte Schutzkollektion gegen alle spezifischen, im Einsatz angetroffenen Angriffsarten resistent ist.
Offizielle Quellen, Normen, Richtlinien & Prüfinformationen
Quellen und weiterführende technische Verweise
Nachfolgend finden Sie offizielle Verweise zu den wichtigsten technischen Standards und Prüfinformationen im Bereich Stichschutz, Messerschutz, Spike-Schutz und Nadelstichschutz. Diese Links führen direkt zu den Websites der zuständigen Normgeber, Behörden und technischen Organisationen.
Sie dienen der Verifikation von Schutzklassen, Prüfklingen, Prüfspitzen, Prüfenergien, zulässigen Durchdringungen und Prüfverfahren.
NIJ – Stab Resistance of Personal Body Armor
Das National Institute of Justice (NIJ) ist eine Behörde des US-Justizministeriums und veröffentlicht Standards für persönliche Schutzausrüstung. Im Bereich des Stichschutzes definiert der NIJ Standard 0115.00 Prüfanforderungen für den Widerstand von persönlicher Schutzausrüstung gegen Stich- und Spitzenbedrohungen.
Der Standard unterscheidet verschiedene Schutzstufen und Prüfenergien. Dabei werden standardisierte Prüfklingen und Prüfspitzen eingesetzt. Die Bewertung berücksichtigt unter anderem die Durchdringung des Schutzmaterials bei definierten Prüfbedingungen.
NIJ Standard 0115.00 – Stab Resistance of Personal Body Armor
Offizielle NIJ-Seite mit Informationen zum Standard und weiterführenden technischen Dokumenten:
NIJ Standard 0115.00 – Stab Resistance of Personal Body Armor
Der NIJ Standard 0115.00 ist insbesondere relevant für den Vergleich der Schutzstufen:
Level 1
Level 2
Level 3
Schutz gegen Messerbedrohungen
Schutz gegen Spike-Bedrohungen
E1- und E2-Prüfenergien
definierte maximale Durchdringung
VPAM KDIW 2004 – Stich- und Schlagschutz
Die VPAM – Vereinigung der Prüfstellen für angriffshemmende Materialien und Konstruktionen veröffentlicht Prüfrichtlinien für verschiedene Arten von Schutzsystemen.
Die VPAM KDIW 2004 beschreibt Prüfverfahren und Leistungsanforderungen für Schutzsysteme gegen unterschiedliche mechanische Bedrohungen.
Dazu gehören unter anderem:
Messerklingen
Dorne und Spitzen
Injektionskanülen
Schlageinwirkungen
Die Richtlinie verwendet definierte Prüfwerkzeuge und unterscheidet verschiedene Schutzklassen beziehungsweise Bedrohungsarten.
Im Bereich des Stichschutzes sind insbesondere folgende Klassen relevant:
K1 bis K4 für Klingenschutz
D1 bis D4 für Dornschutz
Prüfungen mit definierten Injektionskanülen
VPAM KDIW 2004 – Prüfrichtlinie für Stich- und Schlagschutz
Offizielle VPAM-Seite mit Informationen zur Prüfrichtlinie:
VPAM KDIW 2004 – offizielle Prüfrichtlinie
Weitere offizielle Informationen der VPAM:
Die VPAM KDIW ist insbesondere relevant für den Vergleich von:
P1/B-Prüfklingen
K1 bis K4
D1 bis D4
Prüfenergien
maximal zulässiger Durchdringung
Dorn- und Spitzenbedrohungen
Injektionskanülen
HOSDB / CAST – Britische Standards für Knife und Spike Resistance
Die britischen Standards für persönliche Schutzausrüstung wurden ursprünglich durch die Home Office Scientific Development Branch (HOSDB) entwickelt.
Die Weiterentwicklung entsprechender technischer Standards erfolgt heute im Umfeld des britischen Home Office und CAST – Centre for Applied Science and Technology.
Im Bereich des Stichschutzes wird insbesondere zwischen zwei Bedrohungsarten unterschieden:
KR – Knife Resistance
Schutz gegen standardisierte Messerklingen.
SP – Spike Resistance
Schutz gegen standardisierte Spitzen- und Spike-Bedrohungen.
Die Prüfungen verwenden unter anderem definierte Prüfwerkzeuge wie:
HOSDB P1/B
HOSDB SP/B
Die Schutzstufen umfassen unter anderem:
KR1
KR2
KR3
SP1
SP2
SP3
kombinierte KR- und SP-Schutzklassen
HOSDB / CAST – offizielle Übersicht der Standards
HOSDB / CAST Standards – Centre for Applied Science and Technology
Die britischen Standards sind besonders relevant für den Vergleich von:
Knife Resistance
Spike Resistance
P1/B-Prüfklingen
SP/B-Prüfspitzen
KR1 bis KR3
SP1 bis SP3
kombinierten Messer- und Spike-Schutzklassen
ASTM F2878 – Resistance of Materials to Hypodermic Needle Puncture
Neben klassischen Stichschutzstandards existieren Prüfverfahren, die speziell den Widerstand von Materialien gegen medizinische Injektionsnadeln bewerten.
Der ASTM F2878-Standard beschreibt ein Prüfverfahren zur Bestimmung des Widerstands von Schutzmaterialien gegen das Durchdringen durch hypodermische Nadeln.
Im Gegensatz zu vielen Schutzklassen für Schutzwesten arbeitet ASTM F2878 grundsätzlich nicht mit einem klassischen Level-System wie beispielsweise:
NIJ Level 1 bis Level 3
HOSDB KR1 bis KR3
VPAM K1 bis K4
Stattdessen wird der Widerstand eines Materials gegen das Durchdringen durch eine definierte medizinische Nadel geprüft.
Das Prüfverfahren ist besonders im Bereich von Schutzhandschuhen und Handschutzmaterialien relevant, beispielsweise für Anwendungen mit Risiken durch:
Injektionsnadeln
kontaminierte Nadeln
medizinische Kanülen
Needle-Stick-Verletzungen
ASTM F2878 – Resistance of Materials Used in Protective Clothing to Penetration by Hypodermic Needles
ASTM F2878 – Hypodermic Needle Puncture Resistance
ASTM F2878 ist insbesondere für den technischen Vergleich von Nadelstichschutzmaterialien relevant. Ergebnisse eines ASTM-Durchdrücktests sollten jedoch nicht automatisch mit dynamischen Stichprüfungen nach anderen Standards gleichgesetzt werden.
Tipps zur Nutzung dieser Quellen
Schutzklasse und Bedrohungsart prüfen
Bei Stichschutz ist die Bezeichnung einer Schutzklasse allein nicht ausreichend.
Beispielsweise bedeutet:
KR nicht automatisch Spike-Schutz.
SP nicht automatisch vollständigen Messerschutz.
Klingenschutz nicht automatisch Schutz gegen Injektionsnadeln.
Ballistischer Schutz nicht automatisch Stichschutz.
Achten Sie daher darauf, welche konkrete Bedrohung tatsächlich geprüft wurde.
Prüfwerkzeug beachten
Die verwendete Prüfklinge oder Prüfspitze ist ein wesentlicher Bestandteil der jeweiligen Norm.
Bezeichnungen wie:
P1/A
P1/B
S1/G
SP/B
NIJ Engineered Spike
VPAM Dorn
Injektionskanüle
dürfen nicht allein aufgrund ähnlicher Namen als identische Bedrohungen betrachtet werden.
Neben dem Prüfwerkzeug unterscheiden sich je nach Standard auch:
Energie
Prüfverfahren
Auftreffwinkel
Prüfgeschwindigkeit
Hintergrundmaterial
zulässige Durchdringung
Anzahl und Position der Prüftreffer
Normversion beachten
Technische Standards und Prüfrichtlinien können überarbeitet oder durch neue Versionen ersetzt werden.
Bei der Bewertung eines Produkts sollte daher immer geprüft werden:
Nach welcher exakten Norm wurde getestet?
Welche Version der Norm wurde verwendet?
Welche Schutzklasse wurde erreicht?
Gegen welches Prüfwerkzeug wurde geprüft?
Wurde nur gegen Messer oder zusätzlich gegen Spike geprüft?
Wurde der gesamte Schutzbereich oder nur ein Materialmuster getestet?
Eine Aussage wie „stichsicher“ oder „stichfest“ ersetzt keine Prüfung nach einem anerkannten technischen Standard.
Prüfergebnisse und Zertifikate unabhängig bewerten
Wenn ein Produkt mit einer Schutzklasse wie:
NIJ 0115 Level 1, 2 oder 3
HOSDB KR1, KR2 oder KR3
HOSDB SP1, SP2 oder SP3
VPAM KDIW K1 bis K4
VPAM KDIW D1 bis D4
beworben wird, sollte überprüft werden, ob ein entsprechender Prüfbericht oder Zertifikat einer anerkannten Prüfstelle vorliegt.
Besonders wichtig ist dabei die genaue Bezeichnung der geprüften Schutzleistung. Ein Produkt, das beispielsweise nur gegen eine Messerklinge geprüft wurde, sollte nicht automatisch als geprüft gegen alle Arten von Spitzen, Dorne oder Injektionsnadeln angesehen werden.
Normdokumente nicht einfach spiegeln
Technische Normen und vollständige Prüfrichtlinien können urheberrechtlich geschützt sein.
Aus diesem Grund werden Originaldokumente auf dieser Seite nicht kopiert oder vollständig wiedergegeben.
Stattdessen verweisen wir auf die offiziellen Websites und Veröffentlichungen der zuständigen Normgeber, Behörden und technischen Organisationen.
So können Anwender, Beschaffer und technische Entscheider die jeweils aktuellen Originalquellen selbst einsehen und die dargestellten Daten nachvollziehen.
Warum wir diese Quellen bereitstellen
Mit diesen offiziellen Verweisen möchten wir sicherstellen, dass Sie als Anwender, Einkäufer oder Entscheider:
die zugrunde liegenden technischen Standards selbst nachvollziehen können,
Schutzklassen und Prüfberichte besser einordnen können,
Messer-, Spike- und Nadelbedrohungen unterscheiden können,
Produkte nicht ausschließlich anhand von Marketingbegriffen bewerten,
unterschiedliche Normen technisch fundierter vergleichen können.
Gerade beim Stichschutz reicht es nicht aus, ausschließlich auf Begriffe wie „stichsicher“, „stab resistant“ oder „needle resistant“ zu vertrauen.
Entscheidend ist immer, gegen welches konkrete Prüfwerkzeug, mit welchem Prüfverfahren und nach welcher Norm ein Schutzsystem tatsächlich getestet wurde.
Die oben genannten Quellen sollen dabei helfen, Schutzklassen nicht nur anhand ihrer Bezeichnung, sondern anhand der tatsächlichen technischen Prüfanforderungen zu bewerten.
Autor: Jan Bock • Stand: September 2026